Am
Karfreitag, dem 01.April 1904 wurde das Römisch-Katholische Pfarramt Chemnitz II errichtet und der bisherige Kaplan
der Gemeinde St. Johann Nepomuk, Paul Katzschmann, wurde zum ersten Pfarrer der
neuen Gemeinde ernannt. Da es noch keine Kirche gab, wurden die Gottesdienste
der neuen Gemeinde ab Ostern 1904 in
der Turnhalle der 2. katholischen Bürgerschule abgehalten. Eigens dafür war beim
Bau der Turnhalle ein kleiner Altarraum und eine Empore eingebaut worden. Fünf
Jahre lang fanden hier, neben dem täglichen Turnunterricht, sowohl Gottesdienste
und Taufen, als auch Trauungen der neuen Gemeinde statt.
1920 musste die Katholische Schule, trotz Bildung eines Elternausschusses zur
Erhaltung dieser, aus den Händen des Katholischen Schulvorstandes in staatliche
Verwaltung übergeben werden. Der konfessionelle Charakter der Schule blieb da
aber noch erhalten. Jedoch wird die 2. Katholische Schule, wie alle anderen
Katholischen Schulen in Sachsen am 4. Mai 1938 aufgelöst. 326 katholische Kinder
besuchten zu diesem Zeitpunkt diese Einrichtung, für die danach gesonderter
Religionsunterricht beantragt werden musste. Es kam zur Gründung eines neuen
Schulbezirkes und zur Umbenennung der Schule in "Körnerschule".
Nach dem Krieg, den die Schule mit nur wenigen Schäden überstand, wurde sie in
Otto-Rötscher-Schule umbenannt. Alle Lehrer, die der NSDAP angehörten wurden
entlassen und durch Neulehrer ersetzt. Am 27. Juli 1954 erfolgte die Umbenennung
der Schule in "Schule an der
Tschaikowskistraße. 1990 wurde die Schule geschlossen und verfiel
zusehends. Nach der Wende mühten sich Gemeindemitglieder von St. Joseph um eine
Rückübertragung der Schule an die Gemeinde, leider vergeblich. Zu groß war wohl
die Angst vor einer finanziellen Überbelastung, die eine Sanierung gekostet
hätte.
Seit 1994 trug sich der Vorstand des Evangelischen Schulzentrums mit der
Vorstellung, die Schule wieder als Christliche Schule zum Leben zu erwecken. Im
November 1995 schloss man einen Nutzungsvertrag mit der Stadt Chemnitz. Viel
Arbeit und finanzielle Probleme standen auf der Tagesordnung, um das Gebäude zu
sanieren. Doch 1999 war es geschafft und das Evangelische Schulzentrum konnte im
August einziehen.
Pfarrer Katzschmann sagte zu den damaligen Verhältnissen folgendes: "In den folgenden Jahren wurde die Turnhalle als Gotteshaus genutzt; so wurden sonntags die Bänke aus dem Erdgeschoss der Schule herbeigeholt. An den Wochentagen musste alles wieder weggeräumt werden und die Turnhalle wurde zu ihrem eigentlichen Zweck genutzt."
Die Kirche
Am 1. August 1907 genehmigten
die zuständigen Behörden endlich den eingereichten Antrag für
den Kirchenneubau. Mit
dem Kirchenbau wurde der Architekt Hanns Paul Wingen betraut. Nach seinen Plänen
entstand eine Kirche in Form einer neoromanischen Basilika mit Westvorhalle. Bereits am 3. August erfolgte durch Pfarrer Katzschmann, in
Anwesenheit des Architekten Hanns-Paul Wingen, der erste Spatenstich. So konnte
dann am
13.Oktober 1907 durch Bischof Dr. Aloys Schäfer der Grundstein für das neue
Gotteshaus gelegt werden.
Am 16.Mai 1909, dem Patronatsfest der Mutterpfarrei
St. Nepomuk, erfolgte die Weihe der neuen Kirche St. Joseph durch Bischof
Schäfer. Stand auf Wingens Bauzeichnungen noch der Name der Gottesmutter St.
Maria für den Kirchenbau, so wurde sie dann doch dem Schutzpatron der
katholischen Kirche und Schutzheiligen der Arbeiter, Handwerker und Ingenieure,
dem Ziehvater Jesu - St. Joseph geweiht.
Die Kirche, ebenso wie Pfarrhaus, Schule und Gemeindesaal wurden im zweiten
Weltkrieg von Bombentreffern verschont. Bis auf etliche kaputte Glasscheiben hatte
man keine Schäden zu verzeichnen. Jedoch brauchte die Kirche mal einen neuen
Anstrich bzw. neuen Putz. Zwischen 1950 und 1966 fanden die ersten Umbau- und
Sanierungsarbeiten statt. Die letzte große Sanierung musste die Kirche dann
zwischen 1992 und 1998 über sich ergehen lassen. Seitdem erstrahlt sie im neuen
Glanz.
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Grundsteinlegung am 13.Oktober 1907 |
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Kirchenbau im Winter 1907/1908 |
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St. Joseph 1911 |
St. Joseph um 1920... | |
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... um 1955... |
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.... in den 1970er Jahren |
..und St. Joseph heute... | |
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Der Gemeindesaal
Zu Beginn der 1930er Jahre gab es in der Gemeinde St. Joseph
ein sehr reges Gemeindeleben, was sich in den unterschiedlichsten Gruppen und
Vereinen widerspiegelte. 1936 wurde deshalb mit dem Bau eines Gemeindesaales
begonnen. Architekt war Willy Schönfeld, der neben vielen Gebäuden in Chemnitz,
auch die Katholische Kirche St. Antonius in Chemnitz entworfen hat. Am 2.Mai
1937 konnte der neue Gemeindesaal von St. Joseph eingeweiht werden.
Der Zahn der Zeit nagte nicht nur an Kirche und Pfarrhaus. Und nachdem die
letzten Sanierungsarbeiten an Kirche und Pfarrhaus abgeschlossen waren, wurde
2005 mit dem Umbau des Gemeindesaales begonnen. Neben der Neugestaltung der
Fenster, standen auch die Modernisierung von Küche und sanitären Anlagen an. Der
Gemeindesaal wird heute nicht nur von der Gemeinde als Veranstaltungsort
genutzt, sondern auch für ganz "weltliche" Vorträge, Ausstellungen oder
Veranstaltungen, z. B. von den verschiedensten Vereinen des Sonnenbergs.