Der Gebäudekomplex

Mit dem Gebäudekomplex von
Schulbau, Turnhalle, Kirche und Pfarrhaus wurde hier ein einzigartiges, harmonisches Ensemble der Baukunst geschaffen.
Mehr zur Geschichte und Geschichten der Kirche können Sie in unserer Festschrift zum 100. Kirchweihjubiläum nachlesen.


Die katholische Schule


Beim Kauf des Grundstücks hatte man nicht nur an den Bau der neuen Kirche gedacht. Durch den Zustrom neuer Gemeindemitglieder war auch der Platz in der 1.Katholischen Schule zu eng geworden, so dass ebenfalls der Bau einer neuen Schule notwendig wurde. Bereits im Jahr 1901 war in gemieteten Räumen im Haus Reinhardtstraße 11  für die auf dem Sonnenberg wohnenden katholischen Kinder der untersten drei Klassen eine Zweigschule eingerichtet worden.
Am 12. Juni 1902 fiel endlich die Entscheidung für den Schulneubau. 16 Klassenzimmer, ein Zeichensaal, Direktions- und Lehrerzimmer und vor allem eine eigene Turnhalle sollten entstehen. Der Entwurf des Schulgebäudes und der Turnhalle stammt von Architekt Wenzel Bürger und die praktische Umsetzung übernahm Baumeister Joseph Ries. Gebaut wurde sie in Formen der Renaissance und des Jugendstils.  Am 4. Mai 1903 fand die Grundsteinlegung für die Schule statt. Bereits am 4. Januar 1904 konnte sie eingeweiht werden und die Schüler unter Leitung des Direktors Franz Richter vom neuen Schulhaus Besitz ergreifen. Waren es Ostern 1904 noch 382 Schüler, so stieg deren Zahl bis 1916 auf 1.052 an. Damit war sie die am stärksten besuchte Schule Sachsens.

Am Karfreitag, dem 01.April 1904 wurde das Römisch-Katholische Pfarramt Chemnitz II errichtet und der bisherige Kaplan der Gemeinde St. Johann Nepomuk, Paul Katzschmann, wurde zum ersten Pfarrer der neuen Gemeinde ernannt. Da es noch keine Kirche gab, wurden die Gottesdienste der neuen Gemeinde ab Ostern 1904 in der Turnhalle der 2. katholischen Bürgerschule abgehalten. Eigens dafür war beim Bau der Turnhalle ein kleiner Altarraum und eine Empore eingebaut worden. Fünf Jahre lang fanden hier, neben dem täglichen Turnunterricht, sowohl Gottesdienste und Taufen, als auch Trauungen der neuen Gemeinde statt.
 


Die zweite Katholische Schule um 1920


1920 musste die Katholische Schule, trotz Bildung eines Elternausschusses zur Erhaltung dieser, aus den Händen des Katholischen Schulvorstandes in staatliche Verwaltung übergeben werden. Der konfessionelle Charakter der Schule blieb da aber noch erhalten. Jedoch wird die 2. Katholische Schule, wie alle anderen Katholischen Schulen in Sachsen am 4. Mai 1938 aufgelöst. 326 katholische Kinder besuchten zu diesem Zeitpunkt diese Einrichtung, für die danach gesonderter Religionsunterricht beantragt werden musste. Es kam zur Gründung eines neuen Schulbezirkes und zur Umbenennung der Schule in "Körnerschule".

Nach dem Krieg, den die Schule mit nur wenigen Schäden überstand, wurde sie in Otto-Rötscher-Schule umbenannt. Alle Lehrer, die der NSDAP angehörten wurden entlassen und durch Neulehrer ersetzt. Am 27. Juli 1954 erfolgte die Umbenennung der Schule in "Schule an der Tschaikowskistraße. 1990 wurde die Schule geschlossen und verfiel zusehends. Nach der Wende mühten sich Gemeindemitglieder von St. Joseph um eine Rückübertragung der Schule an die Gemeinde, leider vergeblich. Zu groß war wohl die Angst vor einer finanziellen Überbelastung, die eine Sanierung gekostet hätte.

Seit 1994 trug sich der Vorstand des Evangelischen Schulzentrums mit der Vorstellung, die Schule wieder als Christliche Schule zum Leben zu erwecken. Im November 1995 schloss man einen Nutzungsvertrag mit der Stadt Chemnitz. Viel Arbeit und finanzielle Probleme standen auf der Tagesordnung, um das Gebäude zu sanieren. Doch 1999 war es geschafft und das Evangelische Schulzentrum konnte im August einziehen.

 

   

Die Schule zu Beginn der 1990er Jahre

 
 
Heute befindet sich hier das
Evangelische Schulzentrum
 
 

Die Empore - hier fanden Orgel und Chor ihren Platz.
 
In dieser Nische stand der Altar während
des Turnunterrichts hinter einem Vorhang.

Pfarrer Katzschmann sagte zu den damaligen Verhältnissen folgendes: "In den folgenden Jahren wurde die Turnhalle als Gotteshaus genutzt; so wurden sonntags die Bänke aus dem Erdgeschoss der Schule herbeigeholt. An den Wochentagen musste alles wieder weggeräumt werden und die Turnhalle wurde zu ihrem eigentlichen Zweck genutzt."

Die Kirche

Am 1. August 1907 genehmigten die zuständigen Behörden endlich den eingereichten Antrag für den Kirchenneubau. Mit dem Kirchenbau wurde der Architekt Hanns Paul Wingen betraut. Nach seinen Plänen entstand eine Kirche in Form einer neoromanischen Basilika mit Westvorhalle. Bereits am 3. August erfolgte durch Pfarrer Katzschmann, in Anwesenheit des Architekten Hanns-Paul Wingen, der erste Spatenstich. So konnte dann am 13.Oktober 1907 durch Bischof Dr. Aloys Schäfer der Grundstein für das neue Gotteshaus gelegt werden.
Am 16.Mai 1909, dem Patronatsfest der Mutterpfarrei St. Nepomuk, erfolgte die Weihe der neuen Kirche St. Joseph durch Bischof Schäfer. Stand auf Wingens Bauzeichnungen noch der Name der Gottesmutter St. Maria für den Kirchenbau, so wurde sie dann doch dem Schutzpatron der katholischen Kirche und Schutzheiligen der Arbeiter, Handwerker und Ingenieure, dem Ziehvater Jesu -  St. Joseph geweiht.

Die Kirche, ebenso wie Pfarrhaus, Schule und Gemeindesaal wurden im zweiten Weltkrieg von Bombentreffern verschont. Bis auf etliche kaputte Glasscheiben hatte man keine Schäden zu verzeichnen. Jedoch brauchte die Kirche mal einen neuen Anstrich bzw. neuen Putz. Zwischen 1950 und 1966 fanden die ersten Umbau- und Sanierungsarbeiten statt. Die letzte große Sanierung musste die Kirche dann zwischen 1992 und 1998 über sich ergehen lassen. Seitdem erstrahlt sie im neuen Glanz.

 

 

Grundsteinlegung am 13.Oktober 1907
 
   
   

Kirchenbau im Winter 1907/1908
 
   
 

St. Joseph 1911
 
  St. Joseph um 1920...
 

... um 1955...
 
   
 

.... in den 1970er Jahren
 
  ..und St. Joseph  heute...
 

 
   
 
   
 
   
     

 Das Pfarrhaus

Ebenfalls im Jahr 1907 konnte der Pfarrhausbau in Angriff genommen werden. Im Frühjahr 1908 wurde das Pfarrhaus fertig gestellt. Es beherbergte neben der Wohnung für den Pfarrer und dem Pfarramt auch ein Vereinszimmer.
1951 fanden umfangreiche Sanierungsarbeiten am Pfarrhaus statt.
Auch bei der letzten großen Sanierung der Kirche wurde das Pfarrhaus nicht vergessen und bekam eine umfangreiche Sanierung.
 


Das Pfarrhaus früher
 
  Das Pfarrhaus heute
 

Der Gemeindesaal

Zu Beginn der 1930er Jahre gab es in der Gemeinde St. Joseph ein sehr reges Gemeindeleben, was sich in den unterschiedlichsten Gruppen und Vereinen widerspiegelte. 1936 wurde deshalb mit dem Bau eines Gemeindesaales begonnen. Architekt war Willy Schönfeld, der neben vielen Gebäuden in Chemnitz, auch die Katholische Kirche St. Antonius in Chemnitz entworfen hat. Am 2.Mai 1937 konnte der neue Gemeindesaal von St. Joseph eingeweiht werden.

Der Zahn der Zeit nagte nicht nur an Kirche und Pfarrhaus. Und nachdem die letzten Sanierungsarbeiten an Kirche und Pfarrhaus abgeschlossen waren, wurde 2005 mit dem Umbau des Gemeindesaales begonnen. Neben der Neugestaltung der Fenster, standen auch die Modernisierung von Küche und sanitären Anlagen an. Der Gemeindesaal wird heute nicht nur von der Gemeinde als Veranstaltungsort genutzt, sondern auch für ganz "weltliche" Vorträge, Ausstellungen oder Veranstaltungen, z. B. von den verschiedensten Vereinen des Sonnenbergs.



 
Der Bau des Gemeindesaales
 
  Richtfest
 
 

Der Gemeindesaal in den 1970er Jahren...
 
   
   
     
 

... und heute.
 
   
 

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